»M3« – Oder kräftig an der Preisschraube gedreht

Drei Produzenten aus dem Mostviertel stylten einen Birnen-Cuvée fürs dicke Portemonnaie. Hat aber der Gaumen auch etwas davon!?

»M3« kostet € 10 – viel Maut für 0,75 Liter Most

»M3« kostet € 10: viel Maut für 0,75 Liter Most

Ich hätte mir nie gedacht, jemals einen Fuß in den Meinl am Graben zu setzen. Dieser Laden zählte für mich bis zum 17. April 2013 zur No-go-area, denn erstens betrachte ich mich eher als Gourmand, denn als Gourmet, und zweitens habe ich a priori für Geschäfte nichts übrig, die – so erzählte man mir –Schampus für über dreitausend (!) Euro die Bottle im Sortiment führen. Doch als rasender Mostreporter konnte ich nicht umhin, mich am besagten 17. April auf mein angerostetes Radl zu setzen, um Richtung Graben zu strampeln, denn drei Mostbarone aus dem Mostviertel präsentierten dort den zurzeit vermutlich teuersten Most österreichischer Provenienz – die Bouteille für stolze 9,90 Euro. (Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie einen Flaschenpreis von über fünf Euro konstatiert.)

Nun wird man sich – ganz zu Recht – im Allgemeinen fragen, was dieser Preis solle, und im Speziellen, wer zum Teufel Mostbarone seien (es gibt auch Mostbaroninnen, aber sie sind in der Unterzahl)!? Ihrer Selbstbeschreibung nach haben Mostbarone einen gemeinsamen Schwur abgelegt, u. z. »die Kultur rund um den vergorenen Birnenmost zu pflegen und weiterzuentwickeln«.

Heutzutage noch einen Schwur auf irgendetwas abzulegen, ist ein wenig seltsam. Aus der Ferne betrachtet hatte ich auch meine Probleme mit diesem Bund, doch das Bild ändert sich oft, wenn man die Personen persönlich kennen lernt. So hatte ich ein paar Wochen zuvor das Vergnügen, einigen Mostbaronen persönlich im Rahmen von Verkostungen und Betriebsführungen zu begegnen. Sie hinterließen einen äußerst gastfreundlichen Eindruck, sie sind locker drauf und haben verdammt viel Ahnung von Most. Rasch wurde mir klar, der Mostbaron-Status ist keine Gehabe, sondern vielmehr eine Marketingmasche, und somit harmlos.

Mit diesem Erfahrungsschatz folgte ich selbstredend ihrer Einladung zum Meinl, zur Präsentation des »M3«. Das Kürzel steht für »Mostviertel 3« und hat folgende Bewandtnis: Die drei Familienbetriebe Datzberger, Hiebl und Oberaigner-Binder mischten jeweils eine Sorte Birnenmost aus ihrer Erzeugung zu einem Gemeinschaftsprodukt zusammen. Für diesen Cuvée steuerten die Datzbergers Most aus der Stieglbirne bei, die Hiebls die Grüne Pichlbirne und die Oberaigner-Binders Speckbirnenmost. Sie machten es sich nicht einfach: über 40 Mischungen wurden getestet, bevor sie den »M3« abfüllten und der Öffentlichkeit präsentierten.

Nun stellt sich aber aus Konsument/innensicht die banale Frage, ob die auf 999 Flaschen beschränkte Selektion »M3« auch so gut schmecke, dass es eine/n aus den Strümpfen hebe? Kurze Antwort: Nicht zwingend.

Zweifelsohne handelt es sich bei diesem Verschnitt um ein gutes Tröpferl, das in der (geschulten) Nase mit einer Besonderheit aufwarten kann, u. z. mit einer Brennesselnote, die gemeinhin nicht mit Birnen in Verbindung gebracht wird. Mit dem Restzuckergehalt gingen die Produzenten knapp über den trockenen Bereich hinaus, ebenso geizten sie nicht mit Kohlensäure.

Michael Oberaigner darauf angesprochen, erzählte dieser, man sei bewusst in den halbtrockenen Bereich gegangen und habe Kohlensäure zugefügt, um einen spritzigen Most zu erhalten, von dem man mehr als nur ein Glas trinken könne. Man wolle damit auch ganz bewusst ein Publikum im Gourmetbereich und in der Spitzengastronomie ansprechen, bzw. ein Produkt für feierliche Anlässe anbieten. So wies auch Hans Hiebl auf die aufwendig mittels Siebdruckverfahren gestaltete Flasche hin.

Fazit: Der »M3« ist ein für Marketingzwecke durchgestyltes Tröpferl, das sehr wohl schmeckt (das Birnenaroma mit einer Brennessel-Nuance ist rein und ausgeprägt, das Säure-Zuckerverhältnis ist ausgewogen, der Abgang hat eine ordentliche Länge), aber sauteuer ist: Egal ob im Ab-Hof-Verkauf oder beim Meinl, man bekommt ihn nur für 9,90 Euro.

Wer sich ein wenig durchs Sortiment von guten Erzeuger/innen kostet, dem oder der wird es gelingen, einen dem »M3« ebenbürtigen Most zu einem Drittel seines Preises zu finden.

Doch lechzt der Gaumen nach dem »M3«, so sei Tögel´s Saftladen in der Argentinier Straße empfohlen. Herr Tögel ist mostspezifisch breiter aufgestellt als der Meinl und selbstredend – vom »M3« wegen der Preisbindung abgesehen – billiger. Oder statten Sie gleich den Mostbaronen einen Hof-Besuch ab, sie sind im Raum Amstetten angesiedelt und liegen an schönen, aber auch hügeligen Fahrradrouten (in der ersten Maiwoche ist mit der Birnbaumblüte zu rechnen – Ausflugstipp!).

www.toegels-saftladen.at

www.hansbauer.at (Fam. Hiebl)

www.seppelbauer.at (Fam. Datzberger)

www.steinernebirne.at (Fam. Oberaigner-Binder)

www.mostbaron.at

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Eine Antwort zu “»M3« – Oder kräftig an der Preisschraube gedreht

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