Sex mit Tieren

Kaum ist der Winter vorbei, liegt Sex buchstäblich in der Luft. Schuld daran sind die anemophilen Pflanzen, die die Luft mit Pollen anreichern, als gäbe es kein morgen mehr. Und so neben ihren Artgenossen auch zahlreiche Nasenschleimhäute bestäuben, worüber Pollenallergiker naturgemäß wenig erfreut sind. Ökonomischeren Sex dagegen pflegen die Mostobstbäume, sie sind zoophil, d.h. sie lassen sich mit Tieren ein. Vor allem Bienen und Hummeln können den betörenden Blüten der Obstbäume nicht widerstehen. Nach den Marillen- und Kirschbäumen beginnen jetzt die Birnbäume zu blühen und in einigen Tagen werden ihnen dann die Apfelbäume folgen. Wer sich gerade in Landstrichen mit hochstämmigen Mostbirnbäumen aufhält, möge den alten Riesen mit ihren mächtigen Kronen seine Aufmerksamkeit schenken. Gesäumt mit Blüten bieten sie ein äußerst reizvolles Naturschauspiel.

Hochstämmiger Mostbirnbaum in der Blüte

Hochstämmiger Mostbirnbaum in der Blüte

Aber jetzt zu einigen „pikanten“ Details aus dem Sexleben unserer Mostobstbäume, die über die sattsam bekannte Bienen-Blüten-Erzählung hinaus reichen.

Bienen sind rotblind. Definitiv keine gute Idee ist es, wenn Sie der Bestäubung Ihrer Obstbäume nachhelfen wollen, indem Sie die Blütenblätter rot anmalen. Bienen können sie nicht wahrnehmen, ihr Sehspektrum ist gegenüber dem menschlichen etwas in den kurzwelligen Bereich verschoben.

Apfel- und Birnenbäume haben einen Mechanismus gegen Selbstbestäubung entwickelt, der sehr ungewöhnlich ist. Zuerst sind die weiblichen Organe empfangsbereit, danach erst werden die männlichen Pollen freigegeben. Sie sind sogenannte vorweibliche Pflanzen oder proterogyn.

Äpfel und Birnen sind Scheinfrüchte! Das mag für Erkenntnistheoretiker auf der Suche nach dem wahren Wesen eines Apfels immer schon klar gewesen sein, ist für manch anderen aber doch einigermaßen überraschend. Es erklärt sich aus dem Umstand, dass Biologen nur das als Frucht definieren, was sich aus den Fruchtblättern entwickelt. Das Fruchtfleisch von Apfel und Birne stammt hingegen aus dem Blütenboden.

Sie essen einen Apfel, er schmeckt Ihnen vorzüglich und daher beschließen Sie aus den Kernen einen Baum zu ziehen, um irgendwann von Ihrem eigenen Baum diese wunderbaren Scheinfrüchte zu genießen. Das wird nicht funktionieren, weil die Bestäubung mit ziemlicher Sicherheit von einer anderen Sorte stammt. Allerdings könnten Sie auf diese Weise einen sogenannten Zufallssämling (wie z.B. der Braeburn einer ist) hochgezogen haben, der eine neue feine Mostobstsorte definiert, die dann Ihren Namen trägt.

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