Ohne regionalen Nachweis geht gar nichts

Margareta Reichsthaler, Obfrau der GenussRegion Österreich, die im Frühjahr eine "Most-Offensive" startete

Margareta Reichsthaler, Obfrau der GenussRegion Österreich, die im Frühjahr eine „Most-Offensive“ startete

Mit der neuen Obstweinverordnung kann auch Most einer staatlichen Qualitätsüberprüfung, wie sie bei Traubenweinen längst üblich ist, unterzogen werden. Dafür mitverantwortlich ist der Dachverband der »GenussRegionen Österreich«, der in diesem Frühjahr eine »Most-Offensive« mit einer Auftaktveranstaltung in der Wiener Hofburg startete. mostblog.net sprach mit der Obfrau des Dachverbandes Margareta Reichsthaler (M. R.), die von Juliette Bendele (J. B.) von der »GenussRegionen Marketing GmbH« begleitet wurde, über diesen Vorstoß in Sachen Most-Vermarktung.

 

Ist die GenussRegion Österreich ein Label und die dahinter stehende Organisation ein Verein?
   M. R.: Das ist ein wenig kompliziert! Korrekt insofern, dass es sich um ein Label, um eine Auszeichnung handelt – wir zeichnen Regionen aus, derzeit sind es 120. Jede Region muss die vom Lebensministerium vorgegebenen Kriterien erfüllen. Kriterien wären regionale Qualitäten, die wesentlich über einem gesetzlichen Standard liegen müssen. Das Ziel ist das Niveau des EU-Herkunftsschutzes oder eine gleichwertige Produktspezifikation. Die zweite Geschichte, die uns sehr wichtig ist und uns aus unserer Sicht einzigartig macht, sind die definierten Regionen – wie z. B. das Mostviertel mit der Mostbirn oder die Oststeiermark mit dem Apfel, und dass die Partner entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, quasi die besten Köpfe der Region arbeiten für das Leitprodukt.
Jede GenussRegion ist als Verein organisiert. Die Lizenznehmer müssen Mitglied sein und mitarbeiten. Es muss ein jährlicher Kontrollbericht erstellt werden, aus dem hervorgeht, wie die Qualitäts- und Herkunftssicherung in der Region passiert.

Sind Mitgliedsbeiträge zu entrichten?
   M. R.: Ja, die werden in jeder Region festgelegt und bleiben in der Region. Es sind aber keine hohen Beiträge, sie bewegen sich in etwa zwischen 50 und 200 Euro im Jahr. In der Regel haben wir Kleinbetriebe als Mitglieder mit durchschnittlich acht bis zehn Mitarbeiter. Diese regionalen Vereine sind im Dachverband organisiert, der für die Markenpflege, für die strategische Weiterentwicklung, für die Interessensvertretung der einzelnen Regionen und Sparten verantwortlich ist. Der Dachverband ist auch Hauptgesellschafter der GenussRegionen Marketing GmbH, die im Jahr 2008 gegründet worden ist, um Kooperations- und Innovationsprojekte voranzutreiben, die auch im Rahmen der ländlichen Entwicklung gefördert werden.

Wie wird man als Mosterzeuger Mitglied einer GenussRegion?
   M. R.: Eine Region bewirbt sich. Wir haben derzeit sechs oder sieben Obstregionen. Davon sind schon fünf mit der staatlichen Prüfnummer aktiv. In diesen Regionen gibt es Mosterzeuger, die Lizenznehmer werden können. Im Moment sind es 28, die über 50 geprüfte Moste haben.

Ist diese Lizenz Voraussetzung, um eine staatliche Prüfnummer zu erhalten?
   M. R.: Das wird eine Voraussetzung –, wir sind noch in der Übergangszeit. Es ist das Ziel, dass ausschließlich Moste mit Prüfnummern in die GenussRegion Österreich aufgenommen werden. Moste außerhalb der ObstgenussRegionen können um »Gutes aus meiner Region« (eine Marke der GenussRegion Österreich für Produkte abseits des Leitproduktes einer Region, Anm.) ansuchen, um die Prüfnummer zu erhalten. Beispielsweise ist das Mühlviertel keine ObstgenussRegion, daher müsste dort ein Betrieb zuerst um »Gutes aus meiner Region« ansuchen, um die Prüfnummer zu erhalten. Das wäre zwar nicht das Leitprodukt, also die Premiumschiene, aber hätte gute regionale Qualität.

Wer führt die Überprüfung durch?
   M. R.: Die beiden Bundesämter Klosterneuburg und Eisenstadt (Eisenstadt für Weinbau, Klosterneuburg zusätzlich zum Wein- auch noch Obstbau, Anm.)

Ist die Einführung der staatlichen Prüfnummer Ihre Idee gewesen?
   M. R.: Ursprünglich ist von der GenussRegion »Lavanttaler Apfelwein» dieser Wunsch gekommen, und wir als Dachverband haben es mit dem ehemaligen Präsidenten des österreichischen Weinbaus Josef Pleil und dem Bundesobstbauverband vorangetrieben.

Könnte ein Most eine Prüfnummer erhalten, ohne zumindest als »Gutes aus meiner Region« anerkannt zu sein?
   M. R.: Man muss aus einer anerkannten Region kommen, das wird aber auch noch ein wenig vom Gesetz her geschärft. Es gibt z.B. beim Traubenwein die Komitees für regionale Gebietseinteilungen – was wir auch für den Most wollen, wo man sich ausschließlich der GenussRegion bedient. Es steht zwar nicht so im Gesetz, aber de facto ist es so. Es muss sich um ein definiertes Gebiet handeln, um die Prüfnummernvergabe durchlaufen zu können. Und die GenussRegion ist im Augenblick die einzige Stelle, die den regionalen Nachweis liefert.

Anders gefragt: Wenn ein Betrieb nicht Mitglied einer GenussRegion werden möchte, könnte er trotzdem für eine Prüfnummer einreichen?
   M. R.: Dann hätte er ein Problem mit der regionalen Herkunftssicherung, denn als Einzelbetrieb könnte er keinen Nachweis erbringen.

… und wäre somit von der Prüfnummernvergabe ausgeschlossen.
   M. R.: Theoretisch könnte es auch ein anderes Herkunftssicherungssystem geben, praktisch ist es schwierig.

Bei der Most-Soirée im April in der Hofburg war niemand aus Oberösterreich vertreten und in der Mostfibel ist auch kein Erzeuger namentlich erwähnt, obwohl oberösterreichische GenussRegionen mit dem Leitprodukt Most angeführt werden. Wie ist das zu verstehen?
   J. B.: Ja, denn es war eine kurze Zeitspanne zwischen der Unterzeichnung der Verordnung und dem Auftaktevent. Die oberösterreichischen Mostregionen haben es zeitlich nicht geschafft, ihre Produkte einzureichen, um die staatliche Prüfnummer zu erlangen. Wir haben gesagt, wir belohnen die, die Pioniere sind, weil sie von Anfang an die Qualität gehabt haben und mit Mosten zur Prüfnummer durchmarschiert sind, aber wir wollten natürlich auch darauf hinweisen, dass es Mostregionen in Oberösterreich gibt.

Warum so kurzfristig angesetzt?
   M. R.: Das ist ja nicht so einfach, wir haben voriges Jahr im September einen Termin nach Möglichkeit vor Ostern gesucht, weil dann die Mosttaufen, Blütenfeste usw. beginnen, und wo es keinen Weintermin in Wien gibt. Wir wollten die Auftaktveranstaltung machen und bereiteten alles so vor, als würde es die Obstweinverordnung schon geben. Dass die Verordnung einen Monat davor unterschrieben wurde – das war ein Glück.

Somit handelt es sich um einen Zufall, dass niemand aus Oberösterreich die kurze Zeitspanne bewältigen konnte?
   M. R.: Ja, denn von uns aus gibt es keinen Grund, die Oberösterreicher nicht zu informieren.
J. B.: Wir haben sie sogar liebevoll angerufen und motiviert.

Werden weitere Schritte im Rahmen der Most-Offensive folgen?
   M. R.: Wir wollen den Most salonfähig machen und gehen davon aus, dass das nicht in einem Jahr machbar ist. Beim Start haben über 90 Genusswirte in Österreich den Most auf die Karte genommen. In Wien – unter Häupl – ist natürlich der gemischte Satz unschlagbar an erster Stelle, aber die Bucklige Welt mit ihrem Apfelmost ist nicht weit von Wien weg, oder die Mostviertler Mostbirn, die Pöllauer Hirschbirne oder das Joglland sind Themen, die es in Wien zu positionieren gilt.

Mit Margareta Reichsthaler und Juliette Bendele sprachen Markus Neubauer und Reinhold Schachner

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