Salon des Mostes 2015 – ein Erfahrungsbericht

Am 23. August 2015 wurde zum 3. Mal von den Mostbaronen und dem Mostviertel Tourismus der “Salon des Mostes” abgehalten. Nach zwei Jahren auf der Schallaburg hat man heuer das erweiterte und neu gestaltete MostBirnHaus Ardagger auserkoren und eine illustre Runde an heimischen und internationalen Mostproduzenten konzentriert. Die Veranstaltung war zweifelsohne sehr gut organisiert und fand im Anschluss an den 3-tägigen Streuobstkongress Birnenleben statt. Dennoch blieben die Besucher an diesem sehr heißen Sommertag aus.

Organisation

Man muss die Organisatoren ausdrücklich loben. Der Salon war gut in Szene gesetzt. Die Most- und einige Schnapsproduzenten präsentierten ihre Produkte auf Tischen, die aneinandergereiht ein großes U bildeten, in deren Mitte die Besucher an Stehtischen ihre Kostproben analysieren konnten. Einzig die Anbieter von Kulinarischem wurden etwas lieblos abseits platziert. An den beiden längeren Seiten fanden sich die Mostbarone auf der einen und die ausländischen Produzenten auf der gegenüberliegenden Seite. Stirnseitig waren Schnapsproduzenten und Mosterzeuger aus anderen österreichischen Regionen als dem Mostviertel positioniert. Kritisch anzumerken ist, dass wenig Beschattung für die Besucher vorgesehen war und dass die Verkostungsgaben zum Teil weit über Genusstemperatur lagen, ein Problem der Kühllogistik, die Kühlschränke lagen für manche Anbieter im Abseits.

Die Mostbarone haben wohl die Auswahl an Ausstellern getroffen, darunter einige international renommierte Topadressen, Farthofer (Mostviertel), ausgezeichnet u.a. mit dem IWSC Trophy 2012 für den weltbesten Vodka oder Eric Bordelet (Normandie), der von ciderjournal.com kurzerhand zum “world’s greatest cider artisan” nobilitiert wurde. Zudem wurde auch das urbane Publikum bedient, das seit kurzem an Cider Gefallen zu finden scheint, sofern er optisch ansprechend inszeniert wird, wie Goldkehlchen, Elbler und Hoila Cider. Ergänzt um Erzeuger aus Lettland, Italien, Deutschland, sowie einem oberösterreichischen und einem steirischen Anbieter, ergab das ein hochklassiges und breitgefächertes Ensemble.

Plume - der lettische Magritte des Mostes

Plume – der lettische Magritte des Mostes

Verkostungsbuch und andere Texte

Am Eingang wurde den Besuchern ein Verkostungsbuch überreicht, das graphisch gut gestaltet war, übersichtlich und klar. Auch inhaltlich ist es weitgehend gelungen, bis auf wenige fachliche Fehler und regionalpatriotische Kuriosa. So heißt es im Vorwort, dass unter anderem auch Sidra im Mittelpunkt stehen würde, obwohl kein einziger spanischer Most angeboten wurde, dafür ist bei Maley SRL aus dem Aostatal, Italien von “Cidro” die Rede, Sidro wäre die richtige Bezeichung gewesen, “Sekt” ist auch rechtlichen Gründen nur für Traubenwein reserviert, der Anhang mit Abbildungen der Mostbirnen geizt mit dem “-birnen”-Suffix, “Schweizer Wasser” heißt es dort, wo Schweizer Wasserbirne gemeint ist, u.a.m… Kleinigkeiten zwar, dennoch unverständlich, dass man keine Fachkräfte für Most in das Lektorat mit einbindet. Verantwortlich für die Druckwerke zeichnet die Agentur Wine&Partners.

Unterhaltsam sind wie immer regionalpatriotische Mythen. So ringen gleich 2 Regionen um die größte zusammenhängende Obst(bau)landschaft Europas. Mostviertel mit “… der größten zusammenhängenden Obstbauregion Europas”, freilich will die Schwäbische Alb hier nicht zurückstehen und kontert mit “größter Streuobstlandschaft Mitteleuropas” einige Seiten weiter. Im Pressetext wiederum wird behauptet, dass “Most der mittlerweile auch überregional gebräuchliche Name für Obstwein” sei, so als wäre die Bezeichnung Most für Apfel- und Birnenweine in fernen Tagen exklusiv im Mostviertel verwendet worden und hätte von dort aus seinen Siegeszug durch die übrigen Länder angetreten. Eine mehr als gewagte These.

Feiner Schnitt aus D

Feiner Schnitt aus D

Produkte

Was hat es zu verkosten gegeben? Ich habe meinen Rundgang bei den ausländischen Produzenten begonnen und mich vor allem schon sehr auf ein Gespräch mit dem Cidre-Guru Eric Bordelet gefreut. Der – leider – man hätte es ahnen können, nicht persönlich nach Ardagger gekommen war. Dafür Mr Plume, ein junger Mostafficionado aus Lettland, der sein Handwerk unter anderem bei Distelberger erlernt hat. Plume arbeitet mit Äpfeln aus seiner Region und bevorzugt die reduktive Methode. Die Kommunikation nach außen ist von Magritte inspiriert und weiß zu gefallen. Maley SRL, ein Label aus dem Aostatal, Italien, widmet sich, am Fuße des Mont Blanc gelegen, der Herstellung von flaschenvergorenen Apfelschaumweinen. Besonders fein austariert, mit Geschmack nach grünem Apfel, empfand ich den Cidre Matterhorn auf Basis der autochthonen Sorte Raventze. Mit Hoila Cider gab es ein weiteres italienisches Produkt. Aromatisch wohl der zur Zeit gehaltvollste Cider, der den urbanen Markt erobern will. Er wird in Kooperation mit der Heriot Scott University hergestellt und ist erst kürzlich neu komponiert worden, obwohl er bei der Frankfurter Apfelweinmesse im Frühjahr erst als Sieger in seiner Kategorie hervorging und mit dem Pomme d’Or geehrt wurde.

Was gibt es von den Deutschen zu berichten? Gutes. Großartig beispielsweise die Kreation aus dem Hause Böller, Boskoop mit Börtlinger Weinapfel verschnitten. Hervorragend. Auch Traube und Quitte harmonieren vortrefflich, wie die SYN-Secco-Quitte von den Hohenloher Schaumweinen eindrucksvoll beweist.

Abschließend noch ein paar Eindrücke von den Meistern des Birnenmostes aus dem Mostviertel selbst, den Mostbaronen. Freunde von extratrockenen Birnenschaumwein werden Distelbergers Birnenschaumwein Brut lieben. Hechal bietet mit der Blutbirne einen rotfärbigen Birnenmost an, allerdings stark adstringierend. Dafür bereitet der Bohnapfel uneingeschränkt Freude. Ebenso der Odenwälder Apfel von Hiebl. Von Zeiner hab ich die extratrockene Dorschbirne notiert, sowie die karamellige Stieglbirne. Last but not least sei der M3 erwähnt, der in diesem Blog schon einmal besprochen wurde.

Experten

Gegen Ende der Veranstaltung hatte ich noch das Vergnügen Claude Jolicoeur kennen zu lernen. Claude ist Kanadier, macht selbst seit 30 Jahren Cider und hat jetzt ein sehr schön gestaltetes Buch über das Mostmachen vorgelegt: “The New Cider Maker’s Handbook”, erschienen im Verlag Chelsea Green. Darin kommt vor allem die nordamerikanische Traditon des Mostkelterns zur Sprache, allerdings ist Claude gewillt, nun auch die europäische Kunst des Mostens aufzunehmen.

Fazit

Viel ist den Organisatoren des Salon des Mostes 2015 nicht vorzuwerfen. Absolute Spitzenproduzenten aus ganz Europa demonstrierten mit Nachdruck, welches Potential in Kernobstweinen steckt. Natürlich ist ein Termin im Hochsommer fragwürdig, dennoch hätte sich der Salon sehr viel mehr Besucher verdient. Man darf auf 2016 gespannt sein!

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